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Streckensegelflug

Der sportliche Teil der Segelfliegerei

Einmal auf Höhe gelangt, gibt sich der Segelflieger keineswegs freiwillig mit einem Gleitflug mit anschließender Landung zufrieden. Er versucht einen Aufwind zu finden. Durch Kreisen bleibt der Pilot mit seinem Flugzeug in der aufsteigenden Luft, bis er die Höhe erreicht hat, um zum nächsten Aufwind zu gleiten, gewinnt wieder Höhe, gleitet zum nächsten Aufwind usw. So kommt es, das Segelflugzeuge viele hundert Kilometer motorlos an einem Tag fliegen können.

Klingt eigentlich ganz einfach.

Der Anfänger will allerdings nicht glauben, dass er nach fünf Stunden Flugzeit völlig geschafft von seinem ersten 150 km - Dreieck zurückehrt. Sein Fliegerkamerad (gleichzeitig mit ihm gestartet) ist nach erfolgreicher Umrundung eines "300er" - Dreiecks aber bereits gelandet und putzt in noch relativ frischer Verfassung die Flächen seines Segelflugzeuges. Der Anfänger fragt sich, wie hat sein Kollege das gemacht. Leider stehen Aufwinde nicht mit Schildern versehen herum, die dem Piloten sagen " Ich bin der Beste".

Der Anfänger ist froh, dass er überhaupt den nächsten Aufwind findet. Der erfahrene Segelflieger analysiert dagegen die Wolkenbildung und die Landschaftsstrukturen sehr genau. Er erkennt die Aufwinde mit den besseren Steigwerten und ist schneller wieder unter der Wolkenbasis.

Sein Kollege hingegen arbeitet sich mit geringeren Steigwerten über einer Sumpfwiese wieder nach oben, nicht ahnend, dass der von der Sonne erhitzte Steinbruch in drei Kilometer Entfernung das viel bessere Steigen liefert. Klar ist, wer sich im Ergebnis schneller seinem Ziel nähert.

Aufwinde sind turbulente Luftmassen. In ihnen geht es nicht immer gleichmäßig nach oben. Mal steigt das Flugzeug schneller, mal langsamer. Mal verliert es sogar für einen Halbreis den Aufwind völlig, um unmittelbar danach aus 2 m/sec Fallen wieder in das Gebiet der aufsteigenden Luftmasse zu gelangen. Der Pilot reagiert sofort; er verlagert durch Steuerbefehle den Kreisflug seines Flugzeuges, um im besten Steigen zu bleiben. Kreisen in Aufwinden und das sogenannte Zentrieren beanspruchen nicht nur das Flugzeug. Auch der Pilot ist ständig wechselnden Zentrifugal-, Schwerkräften und Temperaturschwankungen ausgesetzt, die auf den Körper einwirken. Das Steuern des Segelflugzeuges ist eigentlich nicht anstrengend, über Stunden ermüdet es aber doch. Nur wer trainiert und gewohnt ist, diesen Belastungen ausgesetzt zu sein, ist über eine längere Flugzeit in der Lage, sein Segelflugzeug konzentriert und aerodynamisch sauber zu fliegen - eine unabdingbare Vorraussetzung, um das Leistungspotential des Fluggerätes in Geschwindigkeit "über Grund" umzusetzen.

Zusammen mit den jeweiligen Sprechern der Wettbewerbsklassen wird die Tagesaufgabe fesgelegt.

Schon seit Beginn der Segelfliegerei haben Piloten und Pilotinnen ihre Fähigkeiten im Wettkampf gemessen. Eine Wettbewerbsleitung stellt je nach Wetterbedingungen die Tagesaufgabe. Eine Aufgabe kann z. B. lauten: 300 km Dreieck vom Startplatz Melle zum Edersee, von dort zum Flugplatz Bad Gandersheim und wieder zurück zum Flugplatz Melle. Wer als schnellster die Aufgabe bewältigt, hat gewonnen. Natürlich kommen nicht alle gestarteten Piloten um das Dreieck. Die Rangfolge richtet sich dann danach, wie viele Kilometer der Aufgabe der jeweilige Pilot bewältigt hat, bevor er "auf den Acker zu den Kühen" ging.

Eine Landung auf einem frisch gepflügten Acker ist keine Notlandung, sondern eine durchaus, zwar nicht gewollte, aber geplante Landung und daher nichts Aussergewöhnliches für den erfahrenen Segelflieger.

Im Rahmen solcher zentralen Wettbewerbe werden Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, Deutsche Meisterschaften, aber auch Landesmeisterschaften und kleinere Vergleichsfliegen (z. B. Porta-Wettbewerb) ausgetragen.

Eine andere Form der Wettbewerbsfliegerei ist die sog. Dezentrale Meisterschaft im Streckensegelfliegen (DMST). Jeder Pilot reicht die Dokumente seiner selbst ausgeschriebenen Überlandflüge ein und erhält hierfür Punkte. Am Ende des Jahres steht der Deutsche Meister fest.

Zur Dokumentation werden die Wendepunkte auf der Flugstrecke fotografiert. Hier Flugplatz Borkenberge

Überlandfliegen kann man aber letztlich auch "nur so zum Spaß" und viele tun dies auch. Voraussetzung ist und bleibt jedoch: Erfahrung sammeln und guter Trainingsstand, damit die selbstgestellte Aufgabe auch erreicht wird .

Streckenfliegen, so betrieben und genossen, ist Breitensport.

Einige Piloten/innen sind der Auffassung, dass es nichts schöneres gibt als den sog. Endanflug auf den Heimatflugplatz, d. h. das sichere Gefühl, denselben im Gleitflug nach einer mehr oder weniger weiten Reise wieder zu erreichen - in der Regel doch ziemlich erschöpft, aber was zählt das schon angesichts des Erlebten.

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